Von Wood-Mizer, Deutschland
July 16, 2026
Eine LT20 gibt Kopenhagener Holz ein zweites Leben
Wenn man die E20 verlässt und den schmalen Weg vorbei an Motocross- und BMX-Strecken in Richtung Krohns Zimmerei und Bootsbauerei einschlägt, vergisst man fast, dass man sich in der dänischen Hauptstadt befindet.


Die Werft liegt im Südwesten Kopenhagens am Sluseløbet im Südhafen, mit Blick auf die Brücke Sjællandsbroen. Im Hafen vor der letzten traditionellen Werft der Stadt liegen drei Hausboote an der Pontonbrücke, die im Moment erneuert wird und nach langen bürokratischen Auseinandersetzungen auf neun Liegeplätze erweitert werden darf. Die Arbeiten sollen im Sommer abgeschlossen sein.
Hinter der Werft stehen heute die Brüder Albert und Nilas Krohn. Nach dem Ende seiner Schulzeit absolvierte Albert 2011 auf der Werft die Ausbildung zum Zimmerer. Als der damalige Bootsbauer 2020 in Rente ging, bekamen die Brüder die Möglichkeit, die Leitung zu übernehmen. Diese Chance haben sie ergriffen, ohne zu zögern. Heute gehören sie zu den letzten Bootsbauern Kopenhagens.
Aufgewachsen sind die Brüder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern nördlich von Kopenhagen und hatten ursprünglich keine besondere Beziehung zum Wasser oder zum Bootsbau. Beide haben das klassische Zimmererhandwerk gelernt. Albert bezeichnet die Art und Weise, wie auf der Werft gearbeitet wird, gerne als „Cowboy-Mentalität“. Es wird nach traditionellen Methoden gearbeitet und für jedes Problem muss eine Lösung gefunden werden. Da bleibt keine Zeit auf andere Handwerker zu warten. Wenn Probleme auftauchen, löst man sie einfach selbst.






Kopenhagens Sägewerk
Genau dort kommt das Sägewerk ins Spiel. Neben einem sehr kleinen Sägewerk auf Amager ist es das einzige Sägewerk im Stadtbereich von Kopenhagen.
Die Inspiration dazu hatte Albert bereits 2012 bei einem Urlaub in Kanada. Dort lernte er die Betreiber des Sägewerks Van Urban Timber kennen, die Holz von der Stadt Vancouver ankauften, verarbeiteten und für spannende Projekte nutzten. Die naheliegende Frage war: „Warum machen wir nicht dasselbe hier? Warum Holz aus Schweden und anderen Ländern importieren, wenn wir in Kopenhagen gutes, nachhaltiges Holz haben?“
Es folgten viele Gespräche mit Sägewerksbetreibern in Jütland und 2022 war es schließlich so weit:
Die beiden Brüder gründeten gemeinsam mit zwei Tischlern der Baufirma Maj die Firma „Københavns Savværk“ und erwarben gemeinsam eine LT20. Hölzer in besonderen Dimensionen, die in der Werft benötigt werden, können seitdem direkt vor Ort eingeschnitten werden. Die Hydraulik der LT20 macht dabei das Hantieren großer und schwerer Stämme einfach und effektiv.
„Das Sägewerk ist kein Muss für uns, aber es ist fantastisch, lokalen Kunden und Handwerkern zu helfen und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben, indem wir z. B. für lokale Festivals sägen“ sagt Albert Krohn. Der nächste Lohnschnitt ist bereits geplant: Holz für eine Jägermeister-Bar auf dem Copenhell Festival in Kopenhagen.
„Zu den Leuten 'Ja' sagen zu können, wenn sie verrückte Ideen haben – das gefällt mir wohl am besten an meiner Arbeit“.




Ein regelmäßiger Kunde ist die befreundete Kopenhagener Firma Logic & Co, die nachhaltige Bauprojekte umsetzt. Dazu gehören unter anderem die Wiederverwertung von bis zu acht Meter langen Deckenbalken aus Kopenhagener Altbauten. Die alten Balken werden in mühsamer Kleinarbeit von Nägeln befreit, bevor daraus neue Hölzer geschnitten werden.
„Obwohl über eine Woche darauf verwendet wurde, die Nägel zu entfernen, haben wir beim Sägen noch viele versteckte Nägel gefunden. Eine echte Herausforderung für Sägewerk und Sägebänder“, erzählt Albert Krohn.
„Es war spannend bei diesem Projekt dabei zu sein. Wir müssen zukünftig viel mehr über Wiederverwertung nachdenken. Und wir haben viel darüber geredet, was wir nächstes Mal noch besser machen können. Es war definitiv nicht das letzte Mal, dass wir diesem Kunden bei einem solchen Recycling-Projekt geholfen haben.“






Das Sägewerk steht auf dem Werftgelände im Nachbau eines kleinen Bootsschuppens, wie es sie früher überall in Kopenhagen gab. Als wir dort stehen, schaut Albert etwas wehleidig auf die LT20 und sagt, er wünsche sich manchmal, mehr Zeit zum Sägen zu haben. Doch die Auftragslage der Werft lässt das derzeit kaum zu.
Vor dem Kauf der LT20 hatte er noch nie an einem Sägewerk gearbeitet. Trotzdem gab es bislang keine technischen Probleme. Die wenigen Herausforderungen, die auftraten, konnten mit einem kurzen Anruf bei Wood-Mizers dänischem Landesvertreter Brian Jensen gelöst werden.
Das meiste Holz, das die Brüder aus Zeitgründen zukaufen, beziehen sie aus dem Aros Sägewerk in Ebeltoft. Auch dort steht ein Wood-Mizer Schmalbandsägewerk, das eine weitere Inspiration für den Kauf der LT20 war.
Die Werft
Auf der Werft und in der dazugehörigen Werkstatt sind insgesamt 30 Zimmerleute, Tischler, Architekten und Brandschutzberater beschäftigt.
Derzeit entsteht eine neue Schwimmbrücke, an der zukünftig sechs weitere Hausboote liegen werden. Die modernen Ponton-Hausboote werden so weit wie möglich aus nachhaltigen Materialien gebaut. Neben Holz aus Dänemark gehören dazu auch Dämmmaterialien auf Holzbasis. Die Arbeiten an den neuen Hausbooten werden im Sommer beginnen und bis zu zwei Jahre dauern.
Ein weiteres Highlight auf der langen Auftragsliste der Werft ist der Bau eines schwimmenden Hotels mit zehn Zimmern.


Neben Hausbooten fertigen die Brüder klassische Holzkonstruktionen und Inneneinrichtungen für Unternehmen und Privatkunden. Dazu kommen Aufträge direkt vom Hafen selbst, etwa für die Erneuerung von Kappenhölzern und Holzkonstruktionen entlang der Kaimauern.
Die Arbeitszeiten von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr sind bewusst familienfreundlich gestaltet. Die meisten Mitarbeiter bringen ihre Kinder morgens zur Schule oder in den Kindergarten und holen sie am Nachmittag wieder ab. Das gilt auch für Albert. Bald werden Arbeit und Familienleben noch näher zusammenrücken. Gemeinsam mit seiner Familie wird Albert selbst in eines der neuen Hausboote einziehen und seinen Lebensmittelpunkt in den quirligen kleinen Hafen verlegen.


Albert ist es wichtig, die Werft und den Hafen so zu erhalten, wie sie heute sind. Es ist eine wahre Perle und einer der wenigen Orte, an denen das alte Kopenhagen noch erlebbar ist.
Inzwischen sind fast alle alten Hafengebiete zu Wohnquartieren geworden und bis an die Kaimauern bebaut. Für klassische Handwerksbetriebe bleibt kaum noch Platz. Die Brüder Krohn gehören heute zu den letzten Bootsbauern Kopenhagens.
Umso wichtiger war die Nachricht, die kürzlich eintraf: Der Pachtvertrag mit dem Hafen wurde um weitere 20 Jahre verlängert. Damit bleibt nicht nur die letzte traditionelle Werft der Stadt erhalten, sondern auch Kopenhagens einziges Sägewerk mitten im Hafen.

